Sanierung 20/21

Das Theater Basel ist das grösste Dreispartenhaus der Schweiz. Es bietet in der trinationalen Metropolregion ein gleichsam breites wie anspruchsvolles Spielprogramm in Oper, Schauspiel und Ballett, hinzu kommt das Kinder- und Jugendangebot (Junges Haus).

Umfangreiche Sanierungsarbeiten am Theater Basel

Nach über vierzig Jahren im Dauerbetrieb muss die Theaterliegenschaft am Steinenberg weitgehend saniert werden. In den Jahren 2014 bis 2021 werden im Theater Basel daher jeweils während der spiel- und probefreien Zeit im Sommer aufwändige Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die Gesamtkosten in den verschiedenen Fachbereichen belaufen sich auf CHF 72 Millionen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Klimawirksamkeit aller Massnahmen. Eine neue Saalbestuhlung wurde durch Gönner finanziert.

Das Haus

Das Theater Basel ist eine privatrechtlich organisierte Institution. Es wird getragen von der Theatergenossenschaft Basel, der natürliche und juristische Personen beitreten können. Geschäftsleitendes Organ der Theatergenossenschaft ist der aus neun Mitgliedern bestehende Verwaltungsrat. Die unmittelbare Führung des Theater Basel obliegt dem künstlerischen Direktor und der Kaufmännischen Direktorin.

Mitarbeitende

Das Theater Basel zählt rund 400 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten wie z.B. Publikumsgarderobieren, Extrachor und Orchester dazu (das Sinfonieorchester Basel gehört nicht fest zum Theater Basel), dann kommt man auf rund 1.000 Personen, die regelmässig am Theater beschäftigt sind.

Bühnen

Das Theater Basel verfügt über drei Haupt-Spielstätten, die von allen Sparten gleichsam bespielt werden.

Die Grosse Bühne wird hauptsächlich für Opern- und Ballettproduktionen, aber auch für Schauspielaufführungen genutzt und umfasst ca. 860 Plätze.

Das Schauspielhaus an der Steinentorstrasse, das die bis Dezember 2001 bespielte Komödie ersetzt, umfasst ca. 450 Plätze und beherbergt in erster Linie Schauspielvorstellungen.

Foto der Fassade des Schauspielhaus

Die Kleine Bühne dient mit ca. 300 Plätzen allen drei Sparten als Spielstätte für kleinere Produktionen.

Grosse und Kleine Bühne sind im Stadttheaterbau (Baujahr 1975) untergebracht. Zudem werden die Foyers und andere Räume im Theater für diverse Veranstaltungen genutzt.

Direktor*innen

Künstlerische Direktoren

  • Benedikt von Peter (ab 2020/2021)
  • Andreas Beck (ab 2015/2016–2019/20)
  • Georges Delnon (2006/2007 – 2014/2015)
  • Michael Schindhelm (1996/1997 – 2005/2006)
  • Hans-Peter Doll (1994/1995 – 1995/1996)
  • Wolfgang Zörner (1993/1994)
  • Frank Baumbauer (1988/1989 – 1992/93)
  • Horst Statkus (1978/1979 – 1987/1988)
  • Dr. Hans Hollmann (1975/1976 – 1977/1978)
  • Werner Düggelin (1968/1969 – 1974/1975)
  • Friedrich Schramm (1962/1963 – 1967/1968)
  • Adolf Zogg /1960/1961 – 1961/1962)
  • Hermann Wedekind (1953/1954 – 1959/1960)
  • Dr. Albert Wiesner (1953/1954)
  • Friedrich Schramm (1950/1951 – 1952/1953)
  • Ko-Direktorium Gottfried Becker, Kurt Horowitz und Hans Thudium (1949/1950)
  • Egon Neudegg (1932/1933 – 1948/1949)
  • Dr. Oskar Wälterlin (1925/1926 – 1931/1932)
  • Otto Henning (1920/1921 – 1924/1925)
  • Gottfried Becker, Leiter einer fünfgliedrigen Direktion (1920/1921)
  • Ernst Lert (1919/1920), Leo Melitz (1899/1900 – 1918/1919)
  • Hugo Schwabe-Hegar (1892/1893 – 1898/1899)

Musikalische Direktor*innen

  • Kristiina Poska (2019/2020)
  • Erik Nielsen (2016/2017 – 2018/2019)
  • Michael Boder (1989/1990 – 1992/1993)
  • Armin Jordan (1972/1973 – 1988/1989)
  • Hans Löwlein (1964/65 – 1971/1972)
  • Paul Jamin (1962/1963 – 1963/1964)
  • Silvio Varviso (1956/1957 – 1961/1962)
  • Dr. Hans Münch (1953/1954 – 1956/1957)
  • Alexander Krannhals (1949/1950 – 1952/1953)
  • Gottfried Becker/Alexander Krannhals (1942/1943 – 1948/1949)
  • Gottfried Becker (1928/1929 – 1941/1942)

Operndirektor*innen

  • Jean Denes(ab 2020/21)
  • Pavel B. Jiracek (2019/2020)
  • Laura Berman (2015/2016 – 2018/2019), Georges Delnon (2012/2013 – 2014/2015)
  • Dietmar Schwarz (2006/2007 – 2011/2012)
  • Christoph Meyer (2003/2004 – 2005/2006)
  • Michael Lakner (2001/2002 – 2002/2003)
  • Albrecht Puhlmann (1996/1997 – 2000/2001)
  • Walter Weller (1994/1995 – 1995/1996)
  • Udo Gefe (1990/1991 – 1991/1992)
  • Walter Pohl (1962/1963 – 1965/1966)
  • Gottfried Becker (1949/1950)
  • Dr. Friedrich Schramm, Paul Olmühl (1934/1935)

Schauspieldirektor*innen

  • Anja Dirks, Inga Schonlau (Dramaturgie), Antú Romero Nunes (Regie), Jörg Pohl (Schauspieler)
  • Almut Wagner (2019/2020)
  • Andreas Beck/Almut Wagner (2017/2018 – 2018/2019)
  • Andreas Beck (2015/2016 – 2016/2017)
  • Martin Wigger, Tomas Schweigen (2013/2014 – 2014/2015)
  • Martin Wigger, Tomas Schweigen, Simon Solberg (2012/2013 – 2013/2014)
  • Elias Perrig (2006/2007 – 2011/2012)
  • Lars-Ole Walburg (2003/2004 – 2005/06)
  • Stefan Bachmann (1998/1999 – 2002/2003)
  • Peter Löscher (1996/1997 – 1997/98)
  • Bernd Leifeld (1995/1996)
  • Johannes Klaus (1993/1994 – 1994/1995)
  • Mark Zurmühle (1986/1987 – 1987/1988)
  • Friedrich Beyer (1978/1979 – 1979/1980)
  • Egon Krater (1950/1951 (nur Komödie), 1951/1952)
  • Kurt Horwitz (1946/194 – 1949/1950)
  • Franz Schnyder (1944/1945 – 1945/1946)
  • Dr. Oskar Wälterlin (1942/1943 – 1943/1944)

Ballettdirektor*innen

  • Richard Wherlock (seit 2001/2002)
  • Joachim Schlömer (1996/1997 – 2000/2001)
  • Youri Vamos (1991 – 1996)
  • Heinz Spoerli (1979 –  1991)
  • Armin Krain (1974/1975), Choreograph: Heinz Spoerli
  • Frantisek Halmazna (Trainingsmeister) (1971/1972 – 1973/1974), Choreographen: Lubos Ogoun, Petruscu Oprea, Pavel Smok (1971/1972), Heinz Spoerli (1973/1974), Lubos Ogoun/Pavel Smok (1972/1973)
  • Hans Knütter (1968/1969 – 1970/1971), Choreographen: Ivan Setic/Pavel Smok (1969/1970), Petrescu Oprea, Pavel Smok (1970/1971)
  • Fritz Graf (1967/1968)
  • Wazlaw Orlikowsky (1955/1956 – 1966/1967), ab 1956/1957 auch Choreograph
  • F. und J. Köhler-Richter (1953/1954 – 1954/1955)
  • Andrei Jerschik (1951/1952 – 1952/1953)
  • Heinz Rosen (1945/1946 – 1950/1951)
  • Wanda Grossen (1944/1945)
  • W. Kleiber (1940/1941 – 1943/1944)
  • Willy und Delly Flay-Waldvogel (1937/1938 – 1939/1940)
  • Els Havrlic (1936/1937)
  • Willy Godlewski (1934/1935 – 1935/1936)
  • Rosalia Chladek (1928 – 1930)

 

Werner Düggelin

Werner Düggelin – genannt ‹Dügg› – war von 1968 bis 1975 Intendant am Theater Basel. Sein lebendiges Theaterverständnis hat ihn in der Schweiz und in der internationalen Theaterszene legendär gemacht.

Theater-Geschichte

Theaterbauten in Basel

Ab Anfang des 18. Jahrhunderts stand gastierenden Wandertruppen in Basel das ursprünglich eigentlich für eine Art von Tennisspielen errichtete Ballenhaus an der Stelle der heutigen Theaterturnhalle als Spielstätte zur Verfügung. 1834 wurde auf der gegenüberliegenden Strassenseite das von Melchior Berri entworfene ‹Theater auf dem Blömlein› eröffnet, welches das baufällige Ballenhaus ersetzte.

Ermöglicht wurde der Bau durch eine Aktiengesellschaft. Die Stadt stellte das Grundstück und ein Darlehen zur Verfügung. Eine erste indirekte Subvention (in Form von Holz) bekam das Theater 1847, erste finanzielle Unterstützung von der Stadt und des Kantons ab 1866.

1873 wurde der Theaterbau zu einem Schulhaus umgebaut. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand das von Johann Jacob Stehlin-Burckhardt entworfene neue Theater. Das nach dem Muster eines höfisch-barocken Rangtheaters gestaltete Haus mit 1400 Sitz und 200 Stehplätzen wurde 1875 eröffnet.

1904 fiel das Stadttheater einem Brand zum Opfer. Der Neffe des Architekten des abgebrannten Baus, Fritz Stehlin-von Bavier, entwarf den Grundzügen des Baus seines Onkels folgend einen Neubau, der mit 1200 Plätzen wiederum dem Muster des höfischen Rangtheaters entsprach. Bereits vor dem Bau wurden die schlechten Sichtverhältnisse von den billigen Plätzen aus sowie der Mangel an Probe- und Lagerräumen kritisiert. Über den Neubau wurde in Basel entsprechend heftig diskutiert, es kam zur Referendumsabstimmung, die schliesslich bei einer tiefen Stimmbeteiligung zugunsten des Baukredits ausging. Das Theater wurde 1909 eröffnet.

1968/69 wurde das Stadttheater mit dem 1950 gegründeten Privattheater Komödie zu den Basler Theatern zusammengeschlossen. Gleichzeitig begann der Bau des neuen, heutigen Stadttheaters nach den Entwürfen der Architekten Schwarz, Gutmann und Gloor, der 1973 fertiggestellt wurde. Zwei Referendumsabstimmungen über höhere Betriebsmittel bzw. Subventionen verzögerten die Eröffnung des Neubaus, der 1975 aber schliesslich in Betrieb genommen wurde.

Theater in Basel

Das Theater in Basel war viele Jahre keine Institution mit eigenem Ensemble. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts gastierten Wandertruppen im sogenannten Ballenhaus. Das änderte sich ein wenig, als 1834 ein erster wirklicher Theaterbau entstand. Aber auch dann konnte von einem institutionalisierten Spielbetrieb noch lange nicht die Rede sein.

Das Theater wurde jährlich für einige Monate (meistens von März bis Oktober) von einer Theaterkommission an oft wechselnde Direktoren verpachtet, die es auf eigenes finanzielles Risiko führten. Entsprechend publikumswirksam ausgestaltet waren die Spielpläne, dominiert von Opern, Lustspielen, Possen und Volksstücken. Offensichtlich hatten die Erbauer des Theaters aber mit viel Publikumszuspruch gerechnet, so bot das ‹Theater auf dem Blömlein› rund 1200 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz – das in einer Stadt, die damals lediglich 26'000 Einwohnerinnen und Einwohner zählte.

1892 schliesslich entschloss sich die Gesellschaft des Stadttheaters, den Betrieb selbst in die Hand zu nehmen. In einer ersten Phase wurde unter einer ehrenamtlichen Leitung ein Ensemble aufgebaut und das Repertoire durch anspruchsvollere Positionen erweitert. 1899 wurde der Opernregisseur Leo Melitz zum ersten besoldeten Direktor ernannt, ein Amt, das er zwanzig Jahre lang behielt.

Zu den herausragenden Direktoren gehörte in den folgenden Jahren der Basler Oskar Wälterlin (1925-1932), der sich später als Direktor des Emigrantentheaters Zürcher Schauspielhaus während der Kriegsjahre ein Denkmal schuf. Wälterlin musste 1932 wegen der Skandalisierung seiner Homosexualität demissionieren, was ihn aber nicht davon abhielt, später wieder in Basel zu inszenieren.

Unter Werner Düggelin (1968 – 1975) wurden die Basler Theater vorab im Schauspiel als stilbildende Bühne im deutschsprachigen Raum gefeiert und zum Dauergast am Berliner Theatertreffen. Nach Düggelins Demission wurde der Regisseur Hans Hollmann Direktor, der aber nur drei Jahre lang blieb. Unter Frank Baumbauer (1988 – 1993), Michael Schindhelm (1996 – 2006) und Andreas Beck (2015 – 2020) wurde das Theater Basel erneut zum regelmässigen Gast am Theatertreffen.

Während der Ära unter Georges Delnon (2006 - 2015) wurde das Theater Basel in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ‹Opernwelt› 2009 und 2010 zweimal in Folge zum ‹Opernhaus des Jahres› erkoren.

Theatergenossenschaft Basel - 100 Jahre

Die Theatergenossenschaft Basel ist die offizielle Trägerschaft des Theater Basel, das zwar zur Hauptsache vom Staat finanziert wird, aber eine privatrechtliche Institution ist. Entsprechend ist die Theatergenossenschaft im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Basel-Stadt verantwortlich dafür, dass der Dreispartenbetrieb künstlerisch und finanziell funktioniert. Der Verwaltungsrat der Theatergenossenschaft führt die Subventionsverhandlungen und ist zuständig für die Wahl der jeweiligen künstlerischen Leitung des Theaters (die aber vom Basler Regierungsrat bestätigt werden muss).

Die Theatergenossenschaft Basel wurde 1921 unter dem Namen ‹Genossenschaft des Basler Stadttheaters› gegründet. Sie wurde damit zur Nachfolgeorganisation der Aktiengesellschaft des Stadttheaters, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Die Theatergenossenschaft pachtete von der Aktiengesellschaft das Theater, das es später der Stadt verkaufte, und trug fortan die Verantwortung für den Betrieb, der 1968 durch die Komödie ergänzt wurde.

Die Theatergenossenschaft zählt rund 840 Mitglieder und einem neunköpfigen Verwaltungsrat mit einem Präsidenten oder einer Präsidentin. Der Verwaltungsrat wiederum setzt sich zusammen aus vier von der Genossenschaft gewählten Mitgliedern – darunter eine Vertreterin oder ein Vertreter des Personals – sowie aus fünf Staatsdelegierten zusammen – darunter eine Vertretung des Kantons Baselland.

Das Aussergewöhnliche an der Trägerschaft ist die Rechtsform der Genossenschaft, also ein Verband, in dem jedes Mitglied eine Stimme hat und nicht wie bei einer Aktiengesellschaft wie etwa beim Opern- und Schauspielhaus Zürich das finanzielle Engagement die Aufteilung der Stimmen bestimmt. Im Rahmen einer Strukturanalyse Anfang der 2000er-Jahre wurden alternative Rechtsformen wie eine Stiftung oder Aktiengesellschaft geprüft. Letztlich blieb es aber bei der Genossenschaft als Trägerin des Theater Basel.

Sie möchten ebenfalls Mitglied werden?

Das ist jederzeit möglich! Alle Informationen erhalten Sie unter der der Telefonnummer +41 (0)61 295 14 06 oder über genossenschaft@theater-basel.ch. Jahresbeitrag: CHF 150.

Schauspielhaus

Mit dem neuen Basler Schauspielhaus verbindet sich eine beinahe unendliche Geschichte, wie es sie in Basel viele gibt. Und wie so viele Basler Geschichten sorgten privaten Mäzeninnen schliesslich für ein Happy End. Am 17. Januar 2002 wurde die neue Sprechtheaterbühne mit einer Inszenierung von Shakespeares ‹Hamlet› von Stefan Bachmann eröffnet.

Die Einweihung des neuen Schauspielhauses an der Stelle des ehemaligen Ganthauses an der Steinentorstrasse setzte einen Schlussstrich unter ein über fünfzigjähriges Begehren, dem Stadttheater eine Sprechtheaterbühne gegenüber zu stellen. 1950 hatte die Ortsgruppe des Bundes Schweizer Architekten ein Schauspielhaus in der Nähe des alten neoklassizistischen Stadttheaters ein erstes Mal zu Sprache gebracht. Im selben Jahr eröffnete der Theatermann Egon Karter in der Steinenvorstadt seine Komödie, die in den 1960ern vergrössert und 1968 schliesslich mit dem Stadttheater zu den ‹Basler Theatern› zusammengeschlossen wurde.

Danach zogen viele Jahre ins Land. Immer wieder tauchte die Idee auf die Oberfläche, an der Stelle des Ganthauses eine Schauspielbühne zu errichten. Alle Vorstösse scheiterten schliesslich aber aus finanziellen Gründen, bis in den 1990er-Jahren das Ende der zwar vom Theater Basel betriebenen, aber nur gemieteten Komödie absehbar wurde. Aber auch dann standen finanzielle Engpässe des Kantons und etliche Alternativ-Vorstellungen einem Neubau lange im Wege …

… bis eine Gruppierung mit Namen ‹Schauspielhaus Ladies First› in Erscheinung trat. Sie versprach, 9,5 Millionen Franken für den Schauspielhausneubau zu sammeln, wenn der Kanton 13 Millionen zur Verfügung stellen würde. Der Kanton spielte mit, die privaten Zuwendungen vorab der bis heute anonym gebliebenen («mehr als drei, aber weniger als zehn») Frauen wuchsen schliesslich auf 20 Millionen an. Das neue Schauspielhaus wurde in Windeseile gebaut: 1999 wurde das alte Ganthaus abgerissen, im April 2000 war die Grundsteinlegung, im September 2001 wurde die ‹Schenkung› dem Kanton festlich übergeben.

Im Januar 2002 wurde das neue Haus mit ‹Hamlet› eröffnet.

 

Tinguely-Brunnen

Der Tinguely-Brunnen, so nennen ihn alle, gehört zu den populärsten Attraktionen der Stadt Basel. Offiziell trägt er den Namen ‹Fasnachtsbrunnen›, aber eigentlich könnte er gut auch Theaterbrunnen heissen.

Dafür sprechen zwei Gründe: Er steht dort, wo die Bühne des 1974 gesprengten neobarocken alten Stadttheaters war, und sorgt nun seit über 44 Jahren vor dem nicht mehr so neuen Neubau für ein visuelles Echo-Loop des damaligen Bühnengeschehens. Und eines der auffälligsten (wenn auch bedächtigsten der zehn Brunnenfiguren) ist der ‹Theaterkopf›, ein Abguss einer Portalfigur der alten Stadttheaterpforte.

Es ist kein Geheimnis, dass der Schöpfer des Brunnens, der international renommierte Basler Vorzeigekünstler Jean Tinguely (1925 – 1991) mit diesem Brunnen auch einen filigranen Protest gegen den wuchtigen neuen Stadttheaterbau schuf, den er offensichtlich nicht so sehr mochte.

Aufnahme des Tinguely-Brunnen mit dem Theater im Hintergrund

Seit vielen Jahren pumpen filigrane, skurrile und spektakuläre Gebilde mit Rädern, Gleitschienen, Verstäubern und Düsen täglich 55'000 Liter Wasser durch die Schlauch-Venen in die Luft und in das Becken. Das Ensemble ändert stetig sein Gesicht: Scheint im Sommer die Sonne, öffnet sich ein märchenhaftes Glitzerfirmament, wenn im Winter die Temperaturen unter Null sinken, verfestigen sich die Fontänen zu bizarren Eisskulpturen, die den Brunnenmeister in Trab halten.

Am 14. Juni 1977 wurde der Brunnen – ein Geschenk des Migros-Genossenschaftsbunds zu seinem 50. Geburtstag – eingeweiht. Mit einer fulminanten Feier. Tinguelys Fasnachtsclique Kuttlebutzer pfiff und trommelte den speziell für diesen Anlass komponierten ‹Brunnenmarsch›, leicht bekleidete junge Frauen formierten sich rund um das und im 19 Zentimeter tiefen Becken zur Synchronschwimmerinnen-Choreographie und ‹Tout Bâle›, wie die ‹gute› Basler Gesellschaft genannt wird, empfing den Künstler, der auf einem Kamel angeritten kam. Eine Premierenfeier fast wie im Theater für ein Spektakel mit der ewig gleichen Inszenierung, die aber noch immer zu faszinieren vermag.

Werner Düggelin

Die Ära Düggelin von 1968 bis 1975 am Theater Basel ist sagenumwoben. Werner Düggelin ist im August 2020 im Alter von 90 Jahren gestorben. Bis ins ganz hohe Alter sorgte er als Regisseur vorab am Schauspielhaus Zürich und am Theater Basel für hohe Beachtung. Zur legendären Figur wurde er aber als Direktor der Theater Basel, wie er das Dreispartenheus nach der Fusion des Stadttheaters mit dem ehemaligen Privattheater Komödie umgetauft hatte.

Düggelin verstand sich als Primus inter Pares einer Truppe von «Spinnern», wie er immer wieder sagte. Einer, der es verstand, herausragende Autoren und Künstlerinnen und Künstler an seine Häuser zu binden und vor allem aber junge Besucherinnen und Besucher ins Theater zu holen. Hierfür brach er mit Konventionen des bildungsbürgerlichen Tempels, liess Rockbands auftreten und schaffte es, dass die jungen Rockfans die Schwellenangst überwanden.

Einer dieser Autoren war Friedrich Dürrenmatt. Der Schweizer Vorzeigedramatiker kannte Basel bereits von früher. Er war 1946 mit seiner Frau Lotti, die sich in Basel ein Engagement erhofft hatte, nach Basel gezogen. Hier wurden in den 1940er-Jahren zwei seiner Stücke uraufgeführt: ‹Romulus der Grosse› und ‹Der Blinde›. 1948 ging er weg, kam aber 20 Jahre in Düggelins Gefolge wieder, um das Theater umzukrempeln – bzw. die Theaterliteratur neu zu denken und zu dichten. Sein Basler Engagement endete nach einem Jahr aber im Streit und einem fulminanten, öffentlich zelebrierten Eklat. Trotzdem erinnerte sich Dürrenmatt mit einigen Jahren Abstand in einem Zeitungsinterview: «Das erste Jahr mit Düggelin war meine schönste Theaterzeit überhaupt.»

Der Abgang des Starautoren tat der Erfolgsgeschichte der Ära Düggelin keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die Basler Theater entwickelten sich unter ihm und mit dem verantwortlichen Dramaturgen Hermann Beil weiter zu einer der führenden und stilbildenden Bühnen im deutschsprachigen Raum. Er öffnete seine Bühnen Autoren wie Heinrich Henkel, Dieter Forte und Jürg Steiner sowie Regisseuren wie Hans Bauer, Erich Holliger und Hans Hollmann. Auch in den Musiksparten holte Dügg, wie er weitum genannt wurde, mit dem Musikalischen Oberleiter Armin Jordan und Ballettchef Hein Spoerli Persönlichkeiten ans Haus, die über Basel hinaus bedeutende Spuren hinterliessen. Düggelin legte sich damit mit dem gesellschaftlichen Establishment an und gewann dieses schliesslich.

Düggelin arbeitete auch mit herausragenden Grafikern zusammen wie Armin Hoffmann (1920 – 2020), der bereits Anfang der 1960er-Jahre für des Theater Plakate geschaffen hatte, die heute noch als Ikonen der Grafik gelten und Eingang in die Sammlung der Museum of Modern Art New York gefunden haben.

1975 verlängerte Düggelin seien Vertrag nicht, weil er vergeblich darum gekämpft hatte, mit der Übernahme des neuen Stadttheaterbaus auch höhere Subventionen zu erhalten.

 

Altes Stadttheater

Der neobarocke Theaterbau aus der Feder von Johann Jacob Stehlin-Burckhardt wurde im Jahr 1875 eröffnet.

Jahreschronik

2020

Benedikt von Peter tritt mit seinem neuen Team die Direktion am Theater Basel an. Operndirektor: Jean Denes, Schauspieldirektion: Anja Dirks (Geschäftsführende Dramaturgin), Antú Romero Nunes (Regisseur), Jörg Pohl (Schauspieler), Inga Schonlau (Dramaturgin), Ballettdirektor: Richard Wherlock, Foyer Public: Juliane Luster, Patrick Oes (Co-Leitung),Kommunikations- & Vertriebsdirektion: Susanne Benedek. Nach einer Sanierungsphase eröffnet das Theater Mitte Oktober 2020.

2019

Das Theater Basel wird mit der Inszenierung Hotel Strindberg› von Simon Stone, einer Koproduktion mit dem Burgtheater Wien, und Claudia Bauers Inszenierung ‹Tartuffe oder das Schwein der Weisen› von PeterLicht zum Berliner Theatertreffen 2019 eingeladen.
Das Kostümbild von Vanessa Rust für ‹Tartuffe...› wird in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ‹Theater heute› zum Kostüm des Jahres 2019 gekürt.
In der Kritikerumfrage zur Saisonbilanz 2018/2019 der Zeitschrift ‹Die deutsche Bühne› landet das Theater Basel in der Kategorie ‹Beste Gesamtleistung› auf Platz 1.

2018

Das Theater Basel wird in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift ‹Theater heute› auf Platz 1 gewählt und damit zum Theater des Jahres 2018.
Die Koproduktion von Wiener Burgtheater und Theater Basel ‹Hotel Strindberg› von Simon Stone wurde auf Platz 2 in der Kategorie Inszenierung des Jahres gewählt.
Die Produktion ‹Woyzeck› von Georg Büchner in der Inszenierung von Ulrich Rasche wurde zum Theatertreffen der Berliner Festspiele eingeladen und dort am 17. & 18. Mai 2018 im Haus der Festspiele gezeigt.

2017

Das Theater Basel wird in der Kritikerumfrage zur Saisonbilanz 2016/2017 der Zeitschrift ‹Die deutsche Bühne› in der Kategorie ‹Beste Gesamtleistung› auf den 1. Platz gewählt.
Die Produktion ‹Drei Schwestern› von Simon Stone wurde zum Theatertreffen der Berliner Festspiele eingeladen und dort als Eröffnungsinszenierung am 6. Mai 2017 gezeigt.

2016

Hausregisseur Simon Stone erhält für seine Bearbeitung von Ibsens ‹John Gabriel Borkman› (Koproduktion Theater Basel / Wiener Festwochen / Burgtheater Wien) den Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie ‹Beste Regie›, wird in der Kritikerumfrage von ‹Theater heute› zum Regisseur des Jahres ernannt und zum Berliner Theatertreffen 2016 eingeladen. Für seine Inszenierung von Tony Kushners Theater-Epos ‹Engel in Amerika› erhält Simon Stone den Nestroy-Theaterpreis 2016 in der Kategorie ‹Beste deutschsprachige Aufführung›.
Die Inszenierungen ‹Edward II. die Liebe bin ich› von Nora Schlocker und ‹Engel in Amerika› von Simon Stone werden zum 3. Schweizer Theatertreffen nach Genf eingeladen.
Die Schweizer Erstaufführung der Oper ‹Donnerstag aus Licht› von Karlheinz Stockhausen (Musikalische Leitung: Titus Engel, Regie: Lydia Steier) wird von der Zeitschrift ‹Opernwelt› zur Aufführung des Jahres gewählt.

2015

Andreas Beck tritt mit seinem neuen Team die Direktion am Theater Basel an. Operndirektorin: Laura Berman, Geschäftsführende Schauspieldramaturgin: Almut Wagner, Ballettdirektor: Richard Wherlock, Kommunikationsdirektorin: Ingrid Trobitz, desg. Musikdirektor ab 2016/2017: Erik Nielsen. Nach einer Sanierungsphase eröffnet das Theater Ende Oktober 2015.

2013

Der Opernchor des Theater Basel wird in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ‹Opernwelt› zum Chor des Jahres gewählt.

2010

Das Theater Basel wird zum zweiten Mal in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ‹Opernwelt› zum Opernhaus des Jahres gewählt.

2009

Das Theater Basel wird in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ‹Opernwelt› zum Opernhaus des Jahres gewählt.

2002

17. Januar: Das neue Schauspielhaus an der Steinentorstrasse wird mit Shakespeares ‹Hamlet› eröffnet. Architekten: Felix Schwarz, Rolf Gutmann und Martin Pfister.

1999

Das Theater Basel wird in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ‹Theater heute› zum Theater des Jahres gewählt.

1998

Dezember: Der Grossrat bewilligt seinen Kredit fürs Schauspielhaus auf dem Ganthausareal.
Die gegründete Stiftung ‹Schauspielhaus Ladies First› bekommt von Einzelpersonen und Firmen weitere Spenden. Dadurch wird das ursprüngliche Sparmodell erweitert (Tunnel, Keller, Restaurant, Technik).

Oktober: Ratschlag der Regierung für eine Neubau auf dem Ganthaus-Areal. Kreditantrag 11.5 Millionen, falls die restlichen 9.5 Millionen von privater Seite kommen.

1997

Die Regierung führt einen Architekturwettbewerb für einen Neubau des Schauspielhauses auf dem Theaterplatz durch. Nach Widerständen aus der Bevölkerung gegen den Theaterplatz entscheidet sich die Regierung für ein Provisorium in der alten Komödie.

1975

Umbenennung in ‹Theater Basel›

1975

3. bis 5. Oktober: Eröffnung des heutigen Theaterbaus mit dem sogenannten Theatermarkt. Bauphase 1969-1975 Architekten: Felix Schwarz, Rolf Gutmann und Frank Gloor.

1975

6. August: Sprengung des ‹alten› Theaters.

1975

15. Juli: Letzte Vorstellung im alten Stadttheater (Verdis ‹Don Carlos›).

1974

Die auf den Herbst 1974 geplante Eröffnung des neuen Theater muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Grund: Gegen die Subventionserhöhung für das neue Theater wird von der ‹Nationalen Aktion› das Referendum ergriffen. In der Volksabstimmung wird die Regierungsvorlage im September 1973 wider Erwarten verworfen. Die Subventionen werden gekürzt und auch auf die Regierungsvorlage im April 1974 ergreift die ‹Nationale Aktion› wiederum das Referendum.
Düggelin erklärt seinen Rücktritt. Erst nach einer Grossaktion der Theatergenossenschaft, des Theatervereins und der Sympathieaktion der Regio für das Basler Theater wird die neue Subventionsvorlage angenommen.

1969

Mit der Intendanz von Werner Düggelin werden das Stadttheater und die Komödie zu einem gemeinsamen Betrieb mit der Bezeichnung ‹Basler Theater› zusammengelegt. Künstlerischer Berater wird Friedrich Dürrenmatt.

1965

In einem öffentlichen Wettbewerb des Baudepartements für ein neues Stadttheater wird das Projekt der Architekten Schwarz, Gutmann und Gloor preisgekrönt.

1954 – 1960

Unter der Direktion von Herman Wedekind und dem Ballettdirektor Wazlaw Orlikowsky erlangt das Ballett erstmals internationale Beachtung.

1951 – 1953

Unter der Intendanz von Friedrich Schramm entsteht das ‹Basler Schauspiel› – ein gemeinsames Schauspielensemble des Stadttheaters und der Komödie, die Leitung übernimmt Egon Karter. Das Projekt hält zwei Spielzeiten.

1945

Unter Heinz Rosen beginnt eine zielgerichtete Aufbauarbeit des Balletts.

1942

Spartentrennung. Gesamtleitung: Egon Neudegg; Schauspieldirektor: Oskar Wälterlin. Das Küchlin-Theater wird als zweite Bühne angemietet. Ende der Spielzeit wird dies wieder aufgehoben.

1927

Die Zusammenarbeit des Dirigenten Felix Weingartner und dem Theater bringt der Oper erstmals überregionale Beachtung ein.

1909

20. September: Wiedereröffnung des Theaters. Architekt war Fritz Stehlin von Bavier.

1904

6./7. Oktober: Das Theater brennt völlig aus.

1892

Hugo Schwabe Hegar, Vizepräsident der Gesellschaft, wird – ehrenamtlich – zum Direktor berufen. Er eröffnet seine erste Spielzeit mit Schillers ‹Wilhelm Tell›.

1892

Die Aktiengesellschaft, auch Gesellschaft des Stadttheaters genannt, entschliesst sich, das Pachtsystem abzuschaffen und den Betrieb selbst zu leiten.

1875

4. Oktober: Eröffnung des neue ‹Theater am Steinenberg›, auch ‹Stadt- und Aktientheater› beziehungsweise ‹Stadttheater› genannt.
Architekt des vierrangigen Barockgebäudes war Johann Jakob Stehlin-Burckhardt.
Es hatte eine Platzkapazität von 1.400 Sitz- und 200 Stehplätzen. Finanziert wurde dieses Haus durch die Aktiengesellschaft, die Stadt und den Kanton. Es galt weiterhin das Pachtsystem.

1873 – 1875

Die Theateraufführungen finden unter anderem in der Burgvogtei statt.

1873

Das Gebäude geht an die Stadt über und wird zu einem Schulhaus umgebaut.

1834

6. Oktober: Eröffnung des ‹Theater auf dem Blömlein›. Das Gebäude stammte von dem klassizistischen Architekten Melchior Berri und umfasste 1.300 Plätze. (Erbaut 1830-31; Einwohnerzahl der Stadt Basel: 24.000)
Ermöglicht wurde der Bau durch eine Ende der 20er Jahre gegründete Aktiengesellschaft. Das Theater wurde jährlich für einige Monate (meist zwischen Oktober und März) von einer privaten Theaterkommission an oft wechselnde Direktoren verpachtet, die es auf eigenes finanzielles Risiko führten. (30 Direktoren bis 1892).