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  • Sidi Larbi Cherkaoui

    Sidi Larbi Cherkaoui

    Sidi Larbi Cherkaoui (*1976) fiel in der Öffentlichkeit erstmals als Tänzer auf, als er 1995 den Preis für das beste belgische Tanz-Solo gewann. Die folgenden Jahre zeigten jedoch, dass sein Talent und seine Ambitionen weit über die Grenzen einer bestimmten künstlerischen Disziplin herausreichen. Seine Erfahrung als Mitglied der Tanzkompagnie «Les Balletts C de la B» von Alain Platel ermöglichte es ihm, im Jahr 2000 seine erste Choreografie «Rien de Rien» zu kreieren. Dieses Stück gab sogleich den Ton für seine weitere Karriere in den darstellenden Künsten vor: innovativ und grenzüberschreitend – und ein diverses Publikum lockend. Durch Einflüsse von verschiedenen Künstler_innen und Kulturen sowie dank seiner autodidaktischen und neugierigen Haltung baut Cherkaoui Brücken nicht nur auf künstlerischer, sondern auch auf sozialer Ebene.

    Durch seine Tätigkeit als Associated Artist im Sadler’s Wells Theater in London entstand eine langjährige Zusammenarbeit zwischen Cherkaoui und dem bildenden Künstler Anthony Gormley. Gemeinsam kreierten sie unter anderem 2008 das Stück «Sutra», das die Kultur der Shaolin-Mönche mit modernen Tanz verknüpfte. Seine künstlerischen Visionen integrierte Cherkaoui zudem in mehrere Opernchoreografien, etwa 2010 bei der Wagner-Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Guy Cassiers, für die Opernhäuser in Berlin und Mailand. In diesem Jahr gründete Cherkaoui auch seine eigene Tanzkompanie «Eastman», die 2013 den Titel Europäischer Kulturbotschafter bekam. Mit Eastman schuf Cherkaoui mehrere Werke wie etwa «Babel», «Fractus V» und «Puzzle» und erhielt zahlreiche internationale Preise, darunter den Total Theatre Award, den Barclay Theatre Award und zwei Olivier Awards. 2011 wurde Cherkaoui von der UNESCO als «Young Artist for Intercultural Dialogue between Arab and Western Worlds» benannt.

    Arbeiten von Cherkaoui haben auch in Spielfilmen Eingang gefunden, etwa seine vielbeachtete Choreografie in «Anna Karenina» von Joe Wright im Jahr 2012. Operninszenierungen führten ihn ans Opernhaus La Monnaie in Brüssel und 2015 an die Bayerische Staatsoper München. Im selben Jahr wurde Cherkaoui zum künstlerischen Leiter des königlichen Balletts Flandern ernannt, ein Ereignis, das einige Kontroversen auslöste: Noch nie hatte ein Vertreter des modernen Tanzes die Leitung einer klassischen Ballettinstitution übertragen bekommen. Bereits zuvor hatte Cherkaoui mehrere Stücke für das Royal Ballett und andere klassische Gruppen und Opernhäuser auf der ganzen Welt kreiert.

    Cherkaoui integriert seine Arbeit auf unbeschwerte Weise in die Welt der Populärkultur. So choreografierte er etwa ein Musikvideo für die isländische Band Sigur Ròs, trug zur Cirque de Soleil-Show von «Michael Jackson ONE» bei und arbeitete mit der Sängerin Ellie Goulding zusammen, um mit einem Duett das Bewusstsein für häusliche Gewalt zu erhöhen. Für die Kostüme für «Mea Culpa» (2006, für das Ballett in Monte Carlo) kollaborierte er etwa mit Karl Lagerfeld.

    Im März 2016 wurde er zur ersten Person in Flandern mit gemischten Wurzeln, der ein Ehrendoktortitel von der Universität Antwerpen verliehen wurde, für beeindruckende Arbeiten, die interkulturelle Problemstellungen kontinuierlich untersuchen und in Frage stellen. Zu Cherkaouis jüngsten Werken gehört «Icon», eine Zusammenarbeit zwischen der Swedish Göteborg Danskompani und Eastman, über unseren Drang, Ikonen zu schaffen – und die, die wir nicht mehr anbeten, zu zerstören.

    Cherkaoui glaubt, dass er in seiner Arbeit alle Aspekte seiner Persönlichkeit ausdrücken muss, um Vorurteile in der Gesellschaft ausräumen zu können. Unsere Gesellschaft besteht schliesslich aus Hunderten von Identitäten, genau wie ein einzelner Mensch mehrere Identitäten in sich trägt. Cherkaoui fühlt, dass es wichtig ist, dass wir in Solidarität mit all diesen Aspekten leben. Und wo Worte eine Barriere darstellen, können Tanz und Bewegung eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen und Weltsichten bauen.

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