Wir reissen ab! – Kurzfestival
Wer Neues Schaffen will, muss das Alte zerstören. Zum Auftakt des Jubiläumsmonats und anlässlich des Jubiläums der Sprengung des alten Schauspielhauses lädt die Basler Compagnie zu einem zweitägigen Kurzfestival ein. Gemeinsam blicken wir zurück – und nach vorn: Auf den Trümmern des einstigen Theaters ist ein neuer Ort der Kunst entstanden. Aber ist es nicht an der Zeit für eine erneute Sprengung? Wir stellen die Frage: Was kommt danach? und feiern den Zauber des radikalen Neuanfangs – mit einem vielseitigen Programm.
- Wann: 01.10. um 19:30 Uhr
- Wo: Alte Billettkasse
- Mit: Melanie Letschnig (Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin) und Vincent Oberer (Historiker ) im Gespräch mit Jörg Pohl
Unter Explosion verstehen wir das schlagartige Freisetzen von grossen Energiemengen. Das ist allgemein bekannt. Wortgeschichtlich bezeichnet das Lateinische «explaudere» ein lautstarkes Klatschen, durch das die Akteur:innen eines Missfallen erregenden Bühnengeschehens vertrieben werden. Das ist allgemein weniger bekannt. Aber es scheint auf eine Verbindung zwischen besagtem Vorgang aus dem Reich der Physik und der plötzlichen Entladung unhaltbarer Spannung mit befreiendem Effekt in der vom Menschen gemachten Welt hin zu deuten. Werfen wir einen Blick auf Kultur und Geschichte. Wann und wo knallt es eigentlich in der Kunst? Was flog eigentlich alles in Basel in die Luft während seiner bewegten Geschichte? Und warum? Ist die Explosion gar eine freundliche Kraft? Eine antreibende, produktive?
Gäste
Melanie Letschnig studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Volkskunde an der Uni Wien, wo sie als Senior Lecturer für Filmtheorie und -analyse tätig ist. 2017 Promotion mit einer Arbeit zu Explosionen in höfischer Festkultur, Blumenstillleben und Kino. Schreibt regelmäßig für die springerin (Wien) und den Katalog von sixpackfilm (Wien). Aktuelle Forschungen betreffen Marxismus und Wahlverwandtschaften zwischen Botanik und Kino in der Filmtheorie. Demnächst erscheint ein Artikel zu kinematographischen Sensationen und Zerstörung der Schaulust in den Performances von Florentina Holzinger.
Vincent Oberer studierte an der Universität Basel Allgemeine Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Schweizergeschichte und Medienwissenschaften. Er promovierte in Allgemeiner Geschichte an der Universität Zürich. Er arbeitet als freier Mitarbeiter im Bereich Bildung und Vermittlung am Historischen Museum in Basel.
- Wann: 02.10. um 19:30 Uhr
- Wo: Alte Billettkasse
- Urbanistische Mitbestimmungsgala mit Jörg Pohl (Moderation)
- Musik (Evelinn Trouble, Bärbel Schwarz)
- Mit wertvollen künstlerischen Beiträgen und den Entwürfen von engagierten Basler:innen FÜR EINEN THEATERPLATZ OHNE GROSSES THEATER
Vor 50 Jahren wurde das alte Basler Theater gesprengt. Es war nicht mehr auf der Höhe der Zeit und hatte einige Mängel. Wir stellen heute, anlässlich dieses Jubiläums, fest: Wenn das die Kriterien waren, muss dringend eine erneute Sprengung her! Aber was soll stattdessen auf dem Theaterplatz stehen? Ein Ikea? Ein Erlebnisbad? Ein Parkhaus?
Träumen sie mit, planen sie mit, diskutieren sie mit. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Beteiligen Sie sich.
Reichen Sie ihre Vorschläge ein, was am Ort des Theater Basels nach der nächsten Sprengung stehen soll. Und stellen sie diese dem interessierten Publikum vor.
Anschliessend wird über den besten Vorschlag abgestimmt. Dieser wird Präsidialdepartement und Baubehörde vorgelegt.
Anmeldung bei dieser Adresse:
Ihnen fällt nichts ein? Kommen sie trotzdem, hören sie zu und diskutieren sie mit. Stimmen sie mit ab.
Es geht um die Zukunft des Theaterplatzes. Es geht um die Zukunft unserer schönen Stadt.
- Wann: 1. und 2. Oktober um 21:30 Uhr
- Ca. 15 Minuten
- Performance in englischer und deutscher Sprache
- Treffpunkt: 21:30 Uhr, Tramhaltestelle «Theater»
- Die Performance findet im öffentlichen Raum vor dem Theater statt.
Die Explosion ist noch nicht da, aber sie hat sich längst angekündigt. Mein Blick schweift über Gebäude, Plätze, Straßen, Fahrzeuge. Keines dieser Dinge hat etwas miteinander zu tun – aber sie teilen diesen Moment und das reicht, um sie miteinander zu verbinden.
Eine Sprengmeisterin und eine Bodybuilderin befassen sich mit ihrer räumlichen Umgebung/ ihrer Muskelmasse, um diese in einer abgestimmten Choreografie zum Implodieren zu bringen.
Beide befinden sich in einem Zustand zwischen Jetzt und Gleich. Beide verfolgen ein kontrolliertes Schema. Beide verlassen die Sphäre des Gewöhnlichen/ der verbalen Sprache, um in einen Zustand überzugehen, der kurz vor der Entladung steht.
Besetzung
- Aina Rea Aliotta
- Gala Othero Winter
Künstlerisches Team
- Konzept, Regie – Josefine Köhler, Radenka Nikolova
- Dramaturgie – Jacob Bührle
- Kostümbild – Anaïs Meyer
- Lichtdesign – Dayne Florence
- Videodesign – Sriram Srivigneswaramoorthy
- Veranstaltungstechnik – Ivo Schnider
- DP – Carlos Kerr Jr.