Im Flow der Apokalypse
Oper

Basler Studierende besetzen 13 Tage lang die Kleine Bühne

  • Altersempfehlung: 12+
  • Eintritt frei (Anmeldung erforderlich)
  • In Kooperation mit der Hochschule für Musik und der Hochschule für Gestaltung und Kunst, FHNW

Stückinfo

Basler Studierende besetzen 13 Tage lang die Kleine Bühne

Wie klingt die Apokalypse? Studierende der Hochschulen für Musik, Gestaltung und Kunst verwandeln dreizehn Tage lang die Kleine Bühne in eine begehbare Installation. Zwischen Zivilisationsmüll, Ausgrabungs- zelten und einem abgestürzten Fesselballon entsteht jeden Abend ein einmaliges musikalisches Ereignis. Publikum und Musiker*innen werden zu einer verschworenen Gemeinschaft, die der Endzeitstimmung trotzt. Vom Abgesang der Welt zur ‹Enthüllung› neuer Welten: Liturgisches Drama trifft auf elektronische Eigenkomposition. Klassischer Gesang auf Jazz und Improvisation.
Zwei Wochen apokalyptische Klänge: jeden Abend Türöffnung um 19:00 Uhr. Um 20:00 Uhr erwarten uns zwei von zwölf Performances.
Ab 21:30 Uhr Open Stage!

Termine & Tickets

10.10.
Kleine Bühne
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12+
11.10.
Kleine Bühne
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12+
13.10.
Kleine Bühne
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12+
14.10.
Kleine Bühne
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12+
15.10.
Kleine Bühne
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16.10.
Kleine Bühne
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17.10.
Kleine Bühne
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18.10.
Kleine Bühne
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20.10.
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21.10.
Kleine Bühne
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12+
22.10.
Kleine Bühne
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12+
23.10.
Kleine Bühne
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12+
24.10.
Kleine Bühne
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12+

Black Angels, 10./21.10.2020

George Crumb: ‹Black Angels› für elektrisch verstärktes Streichquartett (1970)

‹Black Angels› ist eins von Crumbs chaotischsten Werken. Es ist immer noch eine Herausforderung für mich, dieses Stück ohne eine Art Vorahnung zu hören. Manchmal hört es sich wirklich wie das Werk des Teufels an.
David Bowie

Breath, 10./22.10.2020

Mauricio Kagel: Atem (1969/70), Vinko Globokar: Res-, As-, Ex-, Inspirer (1973)

Wie hört sich die ganz persönliche Apokalypse eines Musikers an? ‹Breath›, eine Performance für zwei Blechbläser verknüpft die beiden Stücke ‹Atem› von Mauricio Kagel und ‹Res-as-ex-inspirar› von Vinko Globolar. Danil Gorhokov an der Posaune und Noé Nillni an der Trompete (Hochschule für Musik, sonic space basel) werden an ihre äussersten Grenzen getrieben: Beide Kompositionen sind eine einzige musikalische und physische Überforderung. Ein Spiel mit und bis zur Erschöpfung – bis zum letzten Atemzug. Eine lebhafte Performance, die das Spannungsfeld zwischen Kunst und Realität abtastet. 

Sponsus, 11./22.10.2020

(Halb-)liturgisches Spiel über die klugen und die törichten Jungfrauen

Christus ist ‹Sponsus›, der Verlobte und Bräutigam. Die klugen Jungfrauen führt er heim in die Ehe, den törichten wird die Tür zum Hochzeitsaal verschlossen (Mt. 25, 1-13). Als Verstossene sind sie verdammt in der Hölle zu schmoren – grausam und unbarmherzig, oder gerecht? Das Drama ‹Sponsus› ist als Teil der Liturgie um 1100 in Südfrankreich entstanden, und musikalisch mit Gregorianischen Chorälen und dem neuem lateinischen Strophen-Lied verwandt. 11 Sänger*innen der Schola Cantorum Basiliensis reenacten unter der Leitung von Michael Eberle das kirchliche Ritual im Theatersaal. Zusammen mit dem Publikum feiern sie Gottesdienst. Die im Mittelalter gängigen Deutungsmuster entfalten dabei eine erstaunliche Aktualität.

Präteritum, 11./18.10.2020

Die Zeit steht still: Hat die Apokalypse längst stattgefunden oder steht sie kurz bevor?
Ein Jazz-Trio, bestehend aus Kontrabass, Gitarre und Saxophon, nimmt das Publikum mit auf eine Reise in der es keine Zeitlichkeit und kein Zeitempfinden mehr gibt. Die Kompositionen von Snejana Prodanova (Hochschule für Musik, Institut Jazz), führen aus einer kalten, desolaten Welt in ein Setting, in dem Geborgenheit herrscht und sogar nostalgische Gefühle heraufbeschworen werden:

I don’t want to set the world on fire, I just want to start a flame in your heart.

Romanzen der Ohnmacht, 13./17.10.2020

Dmitri Schostakowitsch: Sieben Romanzen für Sopran, Violine, Violoncello und Klavier 
nach Gedichten von Alexander Blok op. 127 
Sergej Rachmaninoff: Ave Maria, aus ‹Das grosse Abend- und Morgenlob›

Schostakowitschs 15 Sinfonien durchziehen das von Schrecken und Terror durchpeitschte 20. Jahrhundert wie ein apokalyptischer Soundtrack.
Gottfried Blumenstein

Mit seiner ‹Romanzen-Suite›, welche die Gattung des Klaviertrios mit der des Liederzyklus kombiniert, hat Schostakowitsch Texte des russischen Symbolisten Alexander Blok vertont. 14 Sänger*innen der Hochschule für Musik, Klassik geben Einblick in individuelle und gesellschaftliche Apokalypsen. Einsame, verstossene Stimmen erklingen versprengt im Theatersaal. ‹Musik› beendet versöhnend den Zyklus. Der harte Tritonusschritt am Ende – der Teufel in der Musik – lässt allerdings daran zweifeln, ob Musik tatsächlich trösten oder gar retten kann. Wenn dann aber Rachmaninoffs ‹Ave Maria› erklingt, ist der Teufel gebannt – zumindest vorübergehend.

Remember me, 13./14.10.2020

1977 schickt die NASA die ‹Voyager Golden Record› in den Weltraum. Eine Schallplatte um sich der menschlichen Existenz zu versichern. Durch den Kontakt mit intelligenten Wesen oder als Artefakt im Fall der Apokalypse. Lea und Nora Sobbe (Schola Cantorum Basiliensis) forschen musikalisch zum Wunsch nach Verewigung, unserem Sendebedürfnis und Momenten der Isolation. «Apokalyptische» Nachrichtenfetzen werden mit live-electronics zum Ostinato-Bass, dem Puls einer Gesellschaft, auf dessen Grundlage voneinander isolierte Musiker*innen miteinander kommunizieren – oder genau daran scheitern. Barockmusik trifft auf zeitgenössische Improvisation trifft auf Schottisches Volkslied: ‹Remember me my dear›. Wer wird wen erhören? Wer darf senden? Und wer übertönt?

Acustica, 14./20.10.2020

Mauricio Kagel: ‹Acustica› für experimentelle Klangerzeuger und Lautsprecher (1968-70)

Nur Leute, die Humor haben, sind unerbittlich ernst. Aber das hat viele Facetten.
 

«Mit ‹Acustica› hat Mauricio Kagel in der post-apokalyptischen Welt nach dem II. WK die Sprache der Musik neu gesucht. Entstanden ist eine zersplitterte Klanglandschaft ohne Anfang und Ende. Eine zeitlose Utopie, in der die Musiker*innen ihre ganze Aufmerksamkeit dem Klang widmen – als wäre er ihr einziges, gemeinsames Lebenselixier. ‹Für experimentelle Klangerzeuger und Lautsprecher› so der Untertitel: Ein Tonband kommuniziert mit Wassereimer, Gas-Lötbrenner oder Pfeifenast – eine «bewusste Erweiterung der Klangskala, (die) zunächst als ein Bruch mit dem bereits Bestehenden empfunden wird.» Der ästhetische Zugriff ist ‹retro›, die Musiker*innen der Hochschule für Musik, sonic space basel sind äusserlich in den 60er Jahren hängengeblieben, als Zitat ihrer selbst – ein ziemlich expressiver Dornröschenschlaf der Postmoderne.»

Phobia, 15./23.10.2020

Wir tragen alle unsere Ängste mit uns herum: Die Angst allein zu sein, Entscheidungen treffen zu müssen, frei zu sein... Mit der Performance ‹Phobia› gehen der Saxophonist Chi Him Chik und die Sängerin Lara Süß – beide aus der Improvisations-Klasse der Hochschule für Musik, sonic space basel – auf die Suche nach ihren eigenen inneren Dämonen. In einem expressiven Dialog wandern sie auf dem schmalen Grat zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. In ihrer Performance fordern sie sich nicht nur gegenseitig heraus, sie provozieren auch das Publikum, sich seinen Ängsten und Dämonen zu stellen.

Révélation, 15./24.10.2020

Die Offenbarung des Johannes mit live improvisierter Musik

Das letzte Buch des Neuen Testaments, die ‹Apokalypse› oder ‹Offenbarung› des Johannes ist eine ungeheuer poetische und bildstarke Schrift: Schlangenbeschwänzte Pferde, Münder, aus denen zweischneidige Schwerter züngeln, lodernde Feuerseen, die Hure Babylon im Purpurgewand – Das sind Bilder, die fremd und beängstigend wirken und gleichzeitig faszinieren. Arthur Baldensperger (Schola Cantorum Basliliensis) und Cristina Arcos Cano (Hochschule für Musik, Klassik) erforschen in einem intimen Dialog zwischen Saxophon und Stimme die Klangwelt der Apokalypse. Ein musikalisches Abtasten, das die emotionale Dimension der apokalyptischen Bildwelten ‹enthüllt›.

Journey, 16./24.10.2020

Wie wird die Welt nach ihrem Ende aussehen? Ein Jazz-Trio, unter der Leitung von Silvan Joray (Hochschule für Musik, Institut Jazz), nimmt das Publikum mit auf eine post-apokalyptische Reise. Die ersten Versuche sind zögerlich und tastend: ein sich von Ton zu Ton, von Stück zu Stück Hangeln durch unbekanntes Terrain. Die Improvisation gewinnt Schritt für Schritt an Selbstbewusstsein und an Land unter den Füssen. Auf zu neuen (musikalischen) Entdeckungen! Wer weiss, wohin uns diese Reise führt?

It must be so, 16./21.10.2020

Songs aus Leonard Bernsteins ‹Candide›

Mit ‹Candide› hat Leonhard Bernstein basierend auf Voltaires satirische Novelle ein Werk geschaffen, das mit bissigem Humor menschliche Schwächen, politische Doppelmoral und den akuten Verfall unserer «bestmöglichen Welt» parodiert. 14 Sänger*innen der Hochschule für Musik, Klassik präsentieren Highlights der komischen Operette, die als Liebeserklärung an die europäische Musikgeschichte gilt. «Il faut cultiver son jardin», heisst es resignierend, aber auch tröstlich am Ende: Der Rückzug ins Private scheint der einzige Ausweg zu sein in einer Welt, in der persönliche und politische Apokalypsen ununterbrochen hereinbrechen. Was aber, wenn dieser Garten bar jeglichen romanischen Zaubers am Fliessband produziert wird?

It‘s only the end of the world, 18./20.10.2020

Das Wort ‹Apo-kalypse› kommt aus dem Griechischen und heisst wörtlich übersetzt ‹ent-hüllen›, im übertragenen Sinne ‹offenbaren›: Jede gesellschaftliche und jede individuelle Krise arbeitet sich an bestehenden Mustern, Regeln und Ordnungssystemen ab, um sie über den Haufen zu werfen. Jede Apokalypse ist zerstörerisch, damit Neues entstehen und wachsen kann. Anna Sowa (Kompositions-Klasse der Hochschule für Musik, sonic space basel) hat einen Raum entworfen, in dem sie und ihr Team mit musikalischen und tänzerischen Mitteln die Mechanismen der ‹Apo-kalypse› erforschen. Eine zerstörerische Performance mit Offenbarungspotenzial. 

Künstlerisches Team

  • Benjamin Coyte
  • Daniil Gorokhov
  • Song Yi Jeon
  • Martin Reck
  • Mikael Szafirowski
  • Nora Vetter

Rund ums Stück

NEU! Digitaler Büchertisch

Gemeinsam mit der Dramaturgie kuratiert das Basler Kulturhaus Bider&Tanner seit vielen Jahren den Büchertisch zu unseren Stücken. Jetzt ist diese Auswahl an Büchern, CD, DVD, Katalogen oder auch Noten jederzeit im Onlineshop zugänglich. Es lohnt sich, regelmässig zu stöbern.

Im Flow der Apokalypse

Kooperation

In Kooperation mit der Hochschule für Musik und der Hochschule für Gestaltung und Kunst, FHNW