György
Kurtág
Komposition
György Kurtág zählt zu den prägendsten Komponisten der Gegenwart. In seinen Werken verbindet sich ein hohes und verantwortungsvolles Traditionsbewusstsein «Meine Muttersprache ist Bartók, und Bartóks Muttersprache war Beethoven» mit der Konzentration eines Anton Webern und der Expressivität eines Alban Berg. György Kurtág wurde am 19. Februar 1926 im heute zu Rumänien gehörenden Lugos geboren und erhielt ab 1940 in Timişoara (Temesvár) Klavier- und Kompositionsunterricht. 1946 siedelte er nach Budapest über und studierte an der Franz-Liszt-Musikakademie Klavier, Kammermusik sowie Komposition. Dort lernte er sowohl seinen Komponistenkollegen György Ligeti auch seine spätere Frau Márta kennen. 1957/58 hielt Kurtág sich als Stipendiat in Paris auf, wo er Kompositions- und Analyse-Kurse bei Olivier Messiaen und Darius Milhaud besuchte. Er entdeckte die Musik von Anton Webern und die Theaterstücke von Samuel Beckett. Daneben machte er die für ihn wichtige Bekanntschaft mit der Psychologin Marianne Stein, die ihm aus einer schweren Schaffenskrise half. Nach seiner Rückkehr nach Budapest schrieb Kurtág 1959 sein Streichquartett op. 1 als kompositorischen Neuanfang. Von 1960 bis 1968 war er Repetitor an der Ungarischen Nationalphilharmonie, von 1967 bis 1993 Professor an der Franz-Liszt-Musikakademie für Klavier und Kammermusik. Mit dem vom Ensemble Intercontemporain in Paris uraufgeführten Zyklus für Sopran und Kammerorchester ‹Messages of the Late Miss R. V. Troussova› gelang ihm 1981 der internationale Durchbruch. Weitere wichtige Werke sind u. a. ‹Kafka-Fragmente› für Sopran und Violine (1987), ‹… quasi una fantasia …› (1988) und ‹Stele› (1993), eine Auftragskomposition der Berliner Philharmoniker. Zur Stadt Basel hat Kurtág eine enge Verbindung: In den 1980er- und 90er-Jahren war er regelmässig für Meisterkurse an der Musik-Akademie zu Gast; seit 1991 wird sein künstlerischer Nachlass in der Paul Sacher Stiftung archiviert. 2018 kam im Mailänder Teatro alla Scala Kurtágs erste Oper ‹Fin de partie› zur Uraufführung, die seitdem in Amsterdam, Paris, Dortmund, Wien und Berlin nachgespielt wurde. Zu Kurtágs 100. Geburtstag findet am Theater Basel die Schweizer Erstaufführung dieser Oper statt.