- Ca. 1 Stunde 15 Minuten ohne Pause
- Interessant für Menschen ab 16+
Ein Werk über die Sehnsucht und das Innerste der menschlichen Existenz
Das erfolgreichste Buch von Marguerite Duras (1914 – 1996), in dem sie – zumindest teilweise autobiographisch – von einer gesellschaftlich unerhörten Amour fou erzählt, spielt im ehemaligen Indochina zur französischen Kolonialzeit, in einer Grossstadt in Dunst und Hitze. Hauptfigur ist eine junge Frau mit viel zu grossem Männerhut und Goldschuhen. Der Vater ist früh verstorben, die Mutter ist psychisch labil, die Brüder sind höchst problematisch. Einziger Lichtblick und Ausweg aus diesem familiären Gefängnis ist ihre Begegnung mit einem reichen Chinesen in einer schwarzen Limousine. Es ist eine Liebe, die keine Zukunft hat und dennoch über alle Konventionen hinweg ein ganzes Leben lang währt, obwohl beide sich nach dem Weggang der Erzählerin nach Paris nie wieder gesprochen haben – bis auf ein einziges Telefonat am Ende.
Goeckes Version folgt den Umrissen der literarischen Vorlage, ohne sie abzupausen. Seine völlig eigene Bewegungssprache wirkt trotz ihres Reichtums an unzähligen frenetischen, flatternden und schnellen Bewegungen im Gesamtbild ebenso minimalistisch, legt aber im Kern alle menschlichen Gefühle frei. Die choreographische Handschrift geht mit Duras’ bildgewaltiger Sprache eine emotionale Synthese ein.
Mediathek
- Choreographie –
- Bühne / Kostümdesign –
- Kostüme –
- Lichtdesign –
- Dramaturgie –
- Mädchen – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Liebhaber – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Mutter – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Älterer Bruder – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Jüngerer Bruder – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Verrückte – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Helene – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Vater – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 23.01.2026 / 18.02.2026), (11.01.2026)
- Braut – (18.12.2025 / 29.12.2025 / 31.12.2025 / 11.01.2026 / 23.01.2026 / 18.02.2026),
-
Duras –
Heidi Lauterbach,(18.02.2026), (29.12.2025 / 31.12.2025 / 11.01.2026), (18.12.2025 / 23.01.2026)
- Ensemble –
Das Ballett Basel lädt zum Trainingsbesuch ein Einblick in die tägliche Arbeit der Ballettcompagnie: Einmal den Tänzer:innen des Ballett Theater Basel beim täglichen Training über die Schulter schauen und ganz aus der Nähe einen Blick auf den «athletischen» Tagesbeginn werfen. Denn dieser dient nicht nur zum Erwärmen der Muskulatur für den anschliessenden Probentag, sondern ist zum Erhalt von Fitness, technischer Versiertheit und zur Prävention gegen Verletzungen unabdingbar. Zudem bietet sich ein Eindruck, wie viel Disziplin, stetige Arbeit, Leidenschaft und Freude im Tanz steckt.
Es hat einfach alles gestimmt – von der tänzerischen Leistung des Ensembles über die Auswahl der Musik bis hin zu Bühne und Kostümen. Und kongenial war auch die Umsetzung der Geschichte für den Tanz in dramatische Szenen und wirklich starke, soghafte Bilder übersetzt.
‹Der Liebhaber› ist in Basel weniger Rückblick als Selbstvergewisserung. Ein Abend, der Duras’ schillernde Amour fou und die Gewalt der Verhältnisse nicht illustriert, sondern in präzise Körpersprache überführt. Dass Goecke ausgerechnet dieses Werk an den Anfang stellt – jenes Stück, das in Hannover gegen Pandemie-Widerstände reifen musste – ist folgerichtig und mutig.
Das 2021 uraufgeführte Ballett ‹Der Liebhaber› beschönigt nicht, sondern erzählt unmittelbar und findet dabei zu einer Ästhetik der Rauheit, die Zartes freilegt.
Getragen wird der Abend von der neu formierten Basler Ballettkompanie, die Goeckes teilweise sehr komplexen Bewegungsabläufe in rasantem Tempo umsetzt. Jede und jeder vollbringt hier solistische Glanzleistungen – ein spektakulärer tänzerische Neubeginn […].
Sandra Bourdais und Maurus Gauthier lassen die Liebe zwischen dem namenlosen Mädchen und dem wesentlich älteren chinesischen Liebhaber oszillieren zwischen Momenten enigmatischer Distanziertheit und Hingabe und Leidenschaft. Nicht nur sie, alle loten ihre Rollen gekonnt aus und lassen diese phänomenal getanzte Vorstellung zu einem Erlebnis von überwältigender, seelenberührender Intensität werden.
Hommage an die Literatur, Hommage an den Tanz: Marco Goecke gelingt beides mit Bravour.
Aus den knapp 100 Seiten der Erzählung holt Goecke tänzerisch unglaublich viel heraus. […] Goecke ist ein frappant lineares, übersichtliches Werk gelungen, das auf schlicht phänomenale Weise Form, Stilistik und Sprunghaftigkeit der zugrunde gelegten literarischen Vorlage widerspiegelt.
In den 75 Minuten erzeugt Goecke mit seinem Ensemble einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann, erschafft eindrucksvolle Bilder und Stimmungen […] und entlässt einen dann nach einem bewegenden Schluss […] in die Nacht.