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Greeting

 

 

Von links nach rechts:Richard Wherlock (Ballettdirektor), Laura Berman (Operndirektorin), Erik Nielsen (Musikdirektor),Andreas Beck (Intendant), Henryk Polus (ehemaliger Chordirektor), Almut Wagner (Schauspieldirektorin) und Ingrid Trobitz (Kommunikationsdirektorin).

Willkommen

Es sind verstörende Zeiten: Eine unabhängige Justiz, Rechtsstaatlichkeit, freie Meinungsäusserung und Pressefreiheit sind vielerorts in Gefahr – wer hatte das vor rund einem Jahr geahnt? Hier in Europa und in vielen anderen Ländern scheint auf einmal gefährdet, was wir in unserem modernen demokratischen Zusammenleben für garantiert und selbstverständlich hielten.

Wie kann ich Sie vor diesem Hintergrund, in diesen unruhigen Zeiten einladen, mit mir durch unser Programm der kommenden Saison zu streifen, Ihnen Lust auf das Theater Basel machen? 

Blickt man auf unsere Welt, fühlt man sich einmal mehr an Anlass und Zweck des Theaters erinnert, Zeitgeschehen, Gesellschaft und Politik nicht nur zu erörtern, sondern darzustellen. Die Griechen hatten das Theater erfunden – und mit ihm Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaften und das Wesen der Demokratie –, um Menschen und ihr Handeln greifbar, ja exemplarisch erlebbar zu machen. Die schon damals bekannten, weitergegebenen Mythen wurden von den antiken Autoren erstmals ≪dramatisiert≫ und somit neu geschrieben – formal wie inhaltlich. Der Mensch in seinem Leben und Erleben sollte Anlass für Mitleid oder Berührung geben, das Erlebte auf der Bühne zur allgemeinen Läuterung beitragen, die Zuschauer_innen zu reflektierten, besseren Menschen erzogen werden. Am Theaterspiel konnte das Publikum sein Denken und Urteilsvermögen überprüfen.

Von dieser Kraft hat das Theater bis heute nichts eingebüsst – auch wenn die Erzähl- und Darstellungsformen auf dem Theater höchst unterschiedlich waren und sind. Der Formenreichtum beweist sehr anschaulich die Lebendigkeit des Theaters und spiegelt die Unterschiedlichkeit unserer Ansprüche und Forderungen an diese Kunstform. Ob Ballett, Oper oder Schauspiel, ob episch, realistisch oder performativ, ob Mimesis oder Authentizität: Das Theater will pointiert unterhalten und auf sehr unterschiedliche Weise Kopf und Herz, Seele und Verstand ansprechen. In dieser Saison laden wir Sie nun herzlich ein, anhand unserer Stücke den Blick auf die Mechanismen von Gesellschaft zu legen, wie sie die Entfaltung und das Gedeihen des Menschen befördern oder verhindern. Es ist der Versuch, einen anderen, neuen Blick auf die Verhältnisse und die Welt zu riskieren. Jenseits der heute oft zitierten Algorithmen des Internets ging und geht es uns weiterhin darum, mit dem Theater und im Theater das Andere, das Unbekannte in und um uns zu sehen. Ein Blick, der uns als neugierige Menschen auszeichnet. Wir wollen Ihre Gastgeber sein, damit Sie neue Standpunkte erleben können.

Der bekannte New Yorker Psychiater und Narzissmusexperte Otto Kernberg spricht von der Gefahr, ≪von (den) eigenen Ideen eingeschlossen zu sein≫ und damit in einer Welt der verhärteten Positionen zu leben. Nur noch das, was uns interessiert und wir ohnehin schon wussten und wissen oder unterstützen, findet den Weg in unsere Gedanken- und Erlebniswelt. Gegen eine solche Welt setzen sich viele der Protagonist_innen dieser Spielzeit zur Wehr. Sie alle beweisen Mut und zeigen Neugier. Sie sind gierig nach dem Neuen, dem Anderen, der Veränderung. 

Genau diese Neugier ist es, so argumentiert der Empathieforscher Fritz Breithaupt, die uns zusehends abhandenkommt. Eine Neugier, die sich über uns hinausdehnt, sich für mehr als unser Umfeld, für mehr als das Bekannte oder Vorgedachte interessiert. Uns für das uns Unbekannte zu interessieren, wird zur Herausforderung unserer Tage. Das Interesse als aktive Auseinandersetzung, nicht blosse Kenntnisnahme, fordert Breithaupt. 

Das Theater ist dabei eine Möglichkeit im Herzen Ihrer Stadt und Region, sich in diesem Sinne neu zu interessieren, einen anderen Blick zu gewinnen.

Seien Sie unsere Gäste – und: wir machen Ihnen das Neugierigsein wirklich leicht mit vielen Stücken und Projekten, neuen Choreografien, neuen Dramen und Opern und vielen Künstler_innen, die erstmals in Basel zu erleben sein werden. Auf all das, auf so vieles können Sie sich freuen! Und Ihre Neugier soll sich lohnen – denn je neugieriger Sie sind, desto günstiger wird jeder Vorstellungsbesuch.

Wir freuen uns auf Sie!

Ich grüsse Sie herzlich – auch im Namen des gesamten Teams am Theater Basel –

Ihr Andreas Beck

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