deutsch english

Ballett

Premiere Spielplan Ensemble

Oper

Premiere Spielplan Ensemble

Schauspiel

Premiere Spielplan Ensemble

Sachers musikalische Wunderkammer

Szenisches Konzert: Cathy Berberian, die Primadonna der Avantgarde

Im Jahr 2015 treffen mehrere grosse Kisten in der Paul Sacher Stiftung ein, gefüllt mit Briefen, Fotos, Büchern, Kostümen und Notenmaterialien der Künstlerin Cathy Berberian (1925-1983). Als Tochter armenischer Einwanderer in Massachusetts geboren, studierte sie Schauspiel, Tanz und Gesang und avancierte bald zur «Primadonna der Avantgarde», einer Vokalartistin par excellence, die mit ihrer Drei-Oktaven-Stimme gleichermassen virtuose Koloraturen wie Geräusche aller Art beherrschte. In ihren perfekt durchgeplanten, als «Gesamtkunstwerk» angelegten Recitals, für die sie sogar eigene Kostüme entwarf, präsentierte sie Musik von Monteverdi, Bartók und Cage mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Volkslieder und Beatles-Songs im barocken Stil. Mit ihrer immensen stimmlichen Flexibilität, ihrem Humor und ihrer unglaublichen Ausstrahlung inspirierte sie eine ganze Generation von Komponisten, darunter Igor Strawinsky, John Cage und Bruno Maderna. Und vor allem Luciano Berio, den sie 1949 am Mailänder Konservatorium kennenlernte und kurz darauf heiratete. Berberians wandlungsfähige Stimme eröffnete ihm als «Instrument» völlig neue Möglichkeiten und so schrieb er während ihrer Ehe und auch nach ihrer Trennung 1964 zahlreiche Werke für sie.

Zugleich war Cathy Berberian nicht nur Interpretin, sondern selbst Komponistin – ihr erstes und bekanntestes Werk, «Stripsody», basiert auf bekannten Onomatopoetika aus Comic Strips, darunter «Tarzan», «Peanuts» und «Superman», und wurde ein durchschlagender Erfolg. Darauf folgten 1969 «Morsicat(h)y» und «Anatema con varie azioni», welches allerdings unvollendet blieb. Den Ausgangspunkt für diese Komposition bildet der traditionelle Hochzeitsreim «etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes, etwas Blaues», den Berberian in eine Collage entsprechender musikalischer Zitate übersetzte. Hinzu kommen die «azioni», bei denen die Musiker_innen im Verlauf des Stücks mehrfach die Plätze und die Instrumente tauschen, bis das Stück schliesslich in einer Art «Apokalypse» endet. Einmal mehr zeigt sich in diesem Werk Berberians unvergleichlicher Humor, ihr Sinn für Theatralik und ihre profunde Kenntnis und Offenheit gegenüber Musik jeglicher Stile und Genres. Denn, wie sie selbst sagte, wenn «das Publikum Musik, sei es klassische oder moderne, mit einem Lächeln im Herzen hören würde, dann wäre der Weg zum Verständnis und auch zur Verständigung viel einfacher.»


PROGRAMM

Cathy Berberian (1925-1983)
«Anatema con varie azioni» für Flöte, Klarinette, Vibrafon,
Celesta, Harfe, Viola und Violoncello* (1969)
Uraufführung

Luciano Berio (1925-2003)
«Folk Songs» für Mezzosopran (1964)
1. «Black is the colour» (USA)
2. «I wonder as I wander» (USA)
3. «Loosin yelav» (Armenia)
4. «Rossignolet du bois» (France)
5. «A la femminisca» (Sicily)
6. «La donna ideale» (Italy)
7. «Ballo» (Italy)
8. «Motettu de tristura» (Sardinia)
9. «Malurous qu’ o uno fenno» (Auvergne, France)
10. «Lo fiolaire» (Auvergne, France)
11. «Azerbaijan love song» (Aserbaijan)

Luciano Berio (1925-2003)
«Sequenza I» für Flöte (1958)

PAUSE

Cathy Berberian (1925-1983)
«Stripsody» (1966)

Luciano Berio (1925-2003) / Kurt Weill (1900-1950)
«Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit» (arr. 1967 / 1972)
für Mezzosopran und 8 Instrumente
«Surabaya Johnny» (arr. 1972) für Mezzosopran und 9 Instrumente

Luciano Berio (1925-2003) / Beatles
«Michelle I» (1965 / 1967) für Mezzosopran und 3 Instrumente
«Ticket to Ride» (1965 / 1967) für Mezzosopran und 7 Instrumente
«Yesterday» (1965 / 1967) für Mezzosopran und 3 Instrumente

 

Mitglieder des Sinfonieorchesters Basel
Stefan Schramm, Violine; Christian Vaucher, Viola;
Malcolm Kraege, Cello; David LeClair, Kontrabass;
Julia Habenschuss, Flöte; Marta Sanchez Paz, Oboe;
Aron Chiesa, Klarinette; Nikita Cardinaux, Bassklarinette;
Huw Morgan, Trompete; Szilard Buti, Schlagzeug;
Adrian Romaniuc, Schlagzeug; Esther Sévérac, Harfe;
Damiano Pisanello, Gitarre; Dimitrjie Simic, Akkordeon;
Christina Bauer Clark, Celesta

 


Eine Koproduktion des Theater Basel mit dem Sinfonieorchester Basel.
Mit besonderem Dank an die Paul Sacher Stiftung.

 

CHF 37.-

Wir empfehlen auch

  • La Traviata

    Oper von Giuseppe Verdi

  • Abschlusskonzert 2018

svg-sprite