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Amphitryon

Lustspiel von Heinrich von Kleist nach Molière

Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

Was passiert, wenn man plötzlich seinem Doppelgänger Auge in Auge gegenübersteht und dieser einem die Identität abspricht? Sosias, der Diener des thebanischen Feldherrn Amphitryon, reagiert auf diese Begebenheit mit selbstbewusstem Pragmatismus. Er ist sich seiner selbst sicher, obwohl ihm der Unbekannte mit Prügel droht: «Dein Stock kann machen, dass ich nicht bin. Doch nicht, dass ich nicht Ich bin, weil ich bin.» Weniger selbstbewusst reagiert der Feldherr Amphitryon, als er siegreich von der Schlacht gegen die Athener heimkehrt und von seiner Gattin Alkmene vernehmen muss, dass sie die vergangene Nacht vermeintlich zusammen verbracht haben. Die Eheleute geraten in eine tiefe Vertrauenskrise, die für Amphitryon in einer Identitätskrise kulminiert. Angezettelt hat dieses komische und zugleich tragische Verwirrspiel niemand Geringerer als der Göttervater und Verwandlungskünstler Jupiter. Als Amphitryon-Double begibt er sich in Begleitung von Merkur – in der Gestalt von Sosias – vom Olymp auf die Erde, um deren Ehefrauen Alkmene und Charis während ihrer Abwesenheit zu verführen. Eine göttliche Täuschung mit fatalen Folgen, die nicht nur die Beziehungen ordentlich durcheinanderbringt, sondern auch die Realität. Wie schneidet der Mensch im Vergleich zu einem Gott wohl ab?

Der junge Heinrich von Kleist ahnte früher als andere, dass der Unterschied zwischen Schein und Sein schwer zu erkennen ist. Seine Zeitgenossen waren von dieser Botschaft überfordert, und so kam seine Neubearbeitung von Molières gleichnamiger Gesellschaftskomödie – die wiederum auf einer antiken Komödie von Plautus basiert – erst über neunzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung 1899 in Berlin zur Uraufführung.

In Julia Hölschers Inszenierung werden die Sinne der Figuren nicht nur durch das Verwechslungsspiel der Götter getäuscht, sondern auch durch den Raum. Gefangen in einem drehenden Spiegelkabinett kämpfen sie um Liebe, Anerkennung und Machterhalt. Eine heitere Verwechslungstragödie, in der neben den existenziellen Fragen nach Identität auch die Komik nicht zu kurz kommt.

Preisstufe IV Schauspielhaus (von 30.– bis 60.–)



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